Seit diesem Samstag gibt es in meiner persönlichen Top-10 der Festivals einen sehr hohen Neueinsteiger:
Decibel Outdoor Festival 2010
Seit 2002 findet diese Open-Air-Technoparty jedes Jahr in den Niederlanden statt. Ursprünglich in der Nähe von Rotterdam, seit 2005 im Naturgebiet Beekse Bergen in Hilvarenbeek, etwa 100 km von der Grenze zu Deutschland entfernt. Wer schnell genug, und über 18 Jahre alt war, konnte für um die 80 Euro VIP-Tickets, um die 60 Euro normale Tickets ergattern.
Da wir schon öfter Partys in Holland besucht haben, gestaltete sich die Anfahrt bis auf eine Stelle recht unstressig. Das Autobahnkreuz bei Eindhoven wurde scheinbar vor kurzem umgebaut, was dazu führte, dass das Navigationssystem einen genau in die falsche Richtung leitet. Und zwar egal von welcher Richtung man kommt. Und die Hinweisschilder auf Niederländisch, die scheinbar darauf aufmerksam machen, dass genau das passiert, sind uns leider erst auf dem Rückweg aufgefallen

In Beekse Bergen angekommen wird man durch ein tolles Verkehrsleitsystem mit vielen gelben Schildern und Helfern des Traffic Support zum jeweiligen Parkplatz geleitet. In unserem Fall war das ein VIP-Parkplatz direkt vor dem Eingang. Dort war die Schlange zum Glück auch recht übersichtlich.
Einlass war um 11 Uhr vormittags. Als erstes wird von den Sicherheitskräften das Ticket begutachtet - eigentlich nur, um festzustellen, dass man sich auch wirklich am richtigen Eingang angestellt hat. Weiter geht's zu einer Art Check-In. Hier wird der Barcode des Tickets eingescannt und wir bekommen unser Einlassband. Im nächsten Bereich stehen Schließfächer, die man mieten kann. Hier kann man Jacken, Pullover, Sonnencreme, Deo und alles mögliche, was man evtl. während dem Festival braucht deponieren. Und weiter geht's durch den Sicherheits-Check. Taschen leeren, abtasten lassen - erlaubt sind dabei keinerlei Getränke und Essen, Flaschen mit Treibgas (z.B. Deo, Haarspray), Drogen, Waffen und Ähnliches. Auch meine große böse Kamera wurde erst etwas komisch betrachtet, aber es war ja von vornherein mit dem Veranstalter abgeklärt, dass ich sie mitbringen darf

Endlich auf dem Veranstaltungsgelände angekommen steht man auf einem über einem Kilometer langem Strandabschnitt eines Sees. Man sollte sich also auf lange Fußmärsche einstellen. Ausgelegt ist das ganze Gelände der Decibel auf 50.000 Personen. Und die Decibel war ausverkauft. Trotzdem gab es an keiner Stelle das Gefühl, dass es zu viele Leute sind. Im Gegenteil: die Abschlussveranstaltung, bei der sich fast alle Leute auf der Main-Area einfinden, sah zwar von oben dicht gefüllt aus, bei genauerem Hinsehen hingegen, hat man gemerkt, dass sich die Leute trotzdem noch genug Platz zum tanzen lassen. Bei einer Länge von mehr als 170 Metern ist auch genug Platz für jeden da

Das gesamte Festivalgelände ist aufgeteilt in insgesamt 11 Areas, jede davon mit einem bestimmten Musik- oder Showkonzept:
- Decibel mainstage
- back2school (Early Rave)
- Euphoria (Hardstyle)
- Refuse (Hardtechno)
- UP! (Jump)
- Hardcore4life (Hardcore)
- Darkness4life (Industrial & Terror)
- Pussy Lounge (Freestyle)
- Remember (Hardtrance & Early Hardstyle)
- 1992 is 4 you! (Oldschool)
- Loudness (Raw Hardstyle)
Während sowohl die Mainstage als auch die Pussy Lounge für unterschiedliche Musikstile offen waren, waren die anderen Areas auf bestimmte Musikrichtungen festgelegt. Auch das Line-Up konnte sich sehen lassen. Etwa 100 DJs, MCs und Live-Acts, unter anderem aus Deutschland, Belgien, Italien und natürlich den Niederlanden waren vertreten:
Ab 22:45 Uhr fand die Abschlussshow auf der Mainstage statt. Hier wurden die einzelnen Areas nochmal mit ihren Musikrichtungen und einer sehr gigantischen Lichtshow und synchronem Feuerwerk sehr beeindruckend vorgestellt. Schließlich endete das Festival um 23 Uhr mit einem riesen Feuerwerk.
Auch das herunterkommen vom Festival-Gelände war gut organisiert und ging dementsprechend zügig. Nur am Parkplatz zeigte sich ein Problem, das scheinbar alle Niederländsichen Festivals gemeinsam haben: jeder will heim, niemand will Rücksicht auf den Anderen nehmen, wenn einem also sein Auto lieb ist, dann sollte man hier viel Zeit einplanen, bis man wieder auf einer öffentlichen Straße ist. Hier ist durchaus noch Verbesserungspotential.
Alles in Allem war es ein super Festival. Vor allem die Stimmung dort ist ein unvergessliches Erlebnis. Und jetzt ist mir auch klar, warum man für die Veranstaltung 1600 Mitarbeiter braucht, die Monatelang aufbauen und auch während der Party alles am Laufen halten. Und warum die Decibel genauso viel Strom braucht, wie ein durchschnittliches Dorf in einer Woche verbraucht. Und was eine 650.000 Watt Lichtanlage ist.
See you next year at Decibel Outdoor 2011

PS: wie von den Niederländern gewohnt gibt es auch hier ein
offizielles Aftermovie!
Text von h4ppy